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  • Cover troja 2013

    Imitatio – Aemulatio – Superatio? : Vokalpolyphonie des 15./16. Jahrhunderts in Polen, Schlesien und Böhmen
    Bd. 12 (2013)

    Herausgegeben von Jürgen Heidrich.

    Die Erstveröffentlichung des Bandes wurde 2016 unter https://doi.org/10.17879/35229780962 vorgenommen.

    In der Forschung gilt die rund einhundertjährige Dominanz franko-flämischer, später auch italienischer Musik während des 15. und 16. Jahrhunderts in Europa als unbestritten, wobei stilistischen, ästhetischen und institutionellen Phänomenen, die sich an der vermeintlichen Peripherie des Einflusses und der Wirkmächtigkeit jener westeuropäischen Vorbilder entwickelten, mitunter ein allenfalls nachgeordneter Status zuerkannt wurde. So ist der Transfer franko-flämischer Kunst in Richtung Osten weniger augenfällig und in der Breite weniger leicht nachvollziehbar, weil die kulturellen, sozialen und institutionellen Bedingungen andere waren. Für das dichte Netz und laikale Milieu kulturell interessierter, zudem von starkem Repräsentationsbedürfnis motivierter italienischer Fürstenhöfe gibt es weder in Deutschland, noch in Polen, Schlesien oder Böhmen ein Äquivalent. Folglich ist zu diskutieren, ob sich der Rezeptions- und Aneignungsdreischritt aus imitare, aemulae und superare, für die Neuzeit 1455 von Lorenzo Valla plakativ formuliert, im Blick auf die hier zu diskutierenden Vorgänge dennoch als nützlich erweisen kann.

  • Musikalische Performanz und päpstliche Repräsentation in der Renaissance
    Bd. 11 (2012)

    Herausgegeben von Klaus Pietschmann.

    Das ausgehende 15. Jahrhundert zählt zu den bedeutsamsten Phasen in der langen Geschichte der päpstlichen Sänger: Unter Sixtus IV. (1471-1484) setzt – flankierend zum Bau der Sixtinischen Kapelle – die Überlieferung des Kapellrepertoires ein, und wenig später gelangte mit Josquin Desprez die prominenteste Musikerpersönlichkeit der Jahrzehnte um 1500 in die päpstliche Kapelle. Obwohl diese Vorgänge vielfältig aufgearbeitet wurden, ist bislang nur punktuell die Rolle der Musik als Bestandteil der päpstlichen Repräsentation in ihren Funktionsweisen und Wahrnehmungspotentialen untersucht worden. Der vorliegende Band widmet sich diesem zentralen Aspekt aus interdisziplinärer Perspektive: Ausgehend von den Motivationen und Ausprägungen der päpstlichen Repräsentation in der Renaissance wird die Rolle der Musik in römischen Bildprogrammen beleuchtet. Im Zentrum der übrigen Beiträge stehen die medialen Strategien, die im Kapellrepertoire und anderen musikalischen Anteilen des päpstlichen Zeremoniells zur Anwendung kamen.

  • Rekrutierung musikalischer Eliten. Knabengesang im 15. und 16. Jahrhundert
    Bd. 10 (2011)

    Herausgegeben von Nicole Schwindt.

    Wollte man eine Soundscape von Musik der Renaissance erstellen, dürfte der Klang von Knabenstimmen keinesfalls fehlen. Vor allem Musik im Kirchenraum, wo Frauen ihre Stimme nicht erheben durften, aber auch Musik bei Hofe, im Theater und in Bildungsinstitutionen rechnete fest mit den teils exquisit geschulten jungen Sängern, aus denen in der Regel die spätere Komponisten-Elite hervorging. Der interdisziplinär angelegte Band geht dem Phänomen in vielfältiger Weise nach: Vor dem Hintergrund allgemeiner Vorstellungen von Kindheit in Spätmittelalter und Früher Neuzeit werden die institutionellen Strukturen rekapituliert und die Lehrschriften erkundet, in denen sich niederschlägt, wie das Lernen didaktisch zu bewältigen war. Die pädagogischen und klanglichen Ideale und Ideologien, die sich mit den jungen Stimmen verbanden, werden in ihrer physiologischen, aufführungspraktischen und ästhetischen Dimension be- und hinterfragt. Auch ikonographisch wird das »Bild« des singenden Knaben auf den Prüfstand gestellt.

  • Normierung und Pluralisierung. Struktur und Funktion der Motette im 15. Jahrhundert
    Bd. 9 (2010)

    Herausgegeben von Laurenz Lütteken unter Mitarbeit von Inga Mai Groote.

    Die Gattung der Motette hat im 15. Jahrhundert einen bedeutenden Wandel erlebt. Für die Zeit um 1400 lässt sich noch relativ leicht eine normative Formulierung des Gattungsparadigmas erkennen, und zwar in den komponierten Werken selbst. In der Zeit um 1500 ist die Situation bis zur Unübersichtlichkeit schwierig – ohne dass damit ein Verlust an Systematik verbunden gewesen ist. Der hier angedeutete Prozess, der etwa die Zeit zwischen Dufays Geburt und den ersten gedruckten Motettenbüchern Petruccis umfasst, ist in der Forschung des öfteren beschrieben worden. Doch sind Erklärungsmodelle bisher praktisch nicht  erprobt worden. Offenbar hängt die erstaunlich feinnervige Pluralisierung der Gattung im 15. Jahrhundert zusammen mit einer ebenso subtilen funktionalen Differenzierung, die abhängig ist von Institutionen, liturgischen, para- oder außerliturgischen Kontexten, von poetologischen, zeremonialen und regionalen Besonderheiten, schließlich von den Modi der Aufzeichnung und der Distribution. Der bedeutende Strukturwandel lässt sich folglich als Interaktion der verschiedensten Parameter verstehen. An diesem Punkt setzen die hier veröffentlichten Beiträge an, wobei erstmals versucht wird, dieser Interaktion dezidiert nachzuspüren.

  • Die Habsburger und die Niederlande. Musik und Politik um 1500
    Bd. 8 (2009)

    Herausgegeben von Jürgen Heidrich.

    2009 jährte sich zum 550. Mal der Geburtstag Kaiser Maximilians I. von Habsburg (1459–1519). Der so genannte »letzte Ritter« repräsentierte einerseits das Ideal des untergegangenen burgundischen Rittertums in einer späten Ausprägung, offenbarte andererseits aber auch Züge des renaissancehaften modernen Herrschertypus’. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch im Verhältnis Maximilians zu den Niederlanden wider. Mit Maximilians Wirken verbindet sich ein erster Höhepunkt nicht nur der im engeren Sinne dynastischen Musikpflege im Hause Habsburg, sondern auch der mitteleuropäischen musikalischen Zentrenbildung schlechthin. Folglich markiert die in der Person Maximilians beispielhaft verkörperte mentalitätsgeschichtliche Polarisierung den Ausgangspunkt für etliche weiterführende stil-, lokal-, frömmigkeits- und kompositionsgeschichtliche Grundsatzfragen. Den mannigfaltigen frühneuzeitlichen Phänomenen der Verflechtung von Musik und Politik widmen sich die Beiträge des Bandes aus unterschiedlichen Perspektiven.

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