Bd. 1 Nr. 1/2 (2021)

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Editorial

Lessons Learned - das dürfte bei vielen Lehrenden am Ende des Sommersemesters 2020 ein quasi zwingender Gedanke gewesen sein.

Erzwungen durch die Covid-19-Pandemie mussten in kürzester Zeit Wege gefunden werden, den universitären Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten - ohne jegliche Form von Präsenzunterricht. Vorlesungen mussten digitalisiert und verfügbar gemacht werden. Übungen mussten in neue Formate gepresst werden, um sie überhaupt durchführen zu können. Seminare, die häufig von der Präsenzdiskussion leben, mussten in virtuelle Räume verschoben werden und für Praktika, die eigentlich zwingend die Verwendung von Versuchseinrichtungen an der Universität erfordern, mussten Konzepte entwickelt werden, um eine Unterbrechung des Studienablaufs zu vermeiden.

All dies erforderte den Einsatz neuer Techniken und Technik sowie oft über Stufen verlaufende Lernprozesse bei den Lehrenden, in denen Angebote stückweise optimiert und auf immer neue Weise verfügbar gemacht wurden. Dabei wurde so manche Lesson Learned, so manche neue Erkenntnis gewonnen, die dieses erste Corona-Semester überhaupt möglich machte. Am Ende des Semesters kam mit der Notwendigkeit, digitale Prüfungen anzubieten, eine neue Herausforderung hinzu, die bewältigt werden musste.

Dieser umfassende Lern- und Entwicklungsprozess war dabei nicht auf einzelne Universitäten oder einzelne Länder beschränkt, er war eine weltweite Notwendigkeit, der sich der universitäre Lehrbetrieb stellen musste. Am Ende sind Formate entstanden, die es erlaubt haben, das Sommersemester 2020 ohne Präsenz und weitgehend erfolgreich durchzuführen. Zum Schluss des Semesters war allen, die beteiligt waren, klar, dass die geleistete Arbeit unabhängig von der Pandemie keine rein vorübergehende Veränderung des Lehrbetriebs bedeutete. In wenigen Monaten war ein Entwicklungsprozess zur Modernisierung der Lehr- und Lernformen entstanden, der normalerweise Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern würde. Dass die beiden folgenden Semester auch durch die Pandemie gekennzeichnet sein würden, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Nichtsdestoweniger war klar, dass die Weiterentwicklung digitaler Lehrformate nicht an einzelnen Professuren, in einzelnen Fakultäten oder lokal an einzelnen Universitäten vonstattengehen kann. Vielmehr ist der Austausch derer, die diese Formate aufgesetzt, entwickelt und eingesetzt haben, entscheidend, um eine gewinnbringende Weiterentwicklung der digitalen Revolution in der Lehre zu bewirken.

Vor diesem Hintergrund wurde an der Fakultät Maschinenwesen der Technischen Universität Dresden im Herbst 2020 die Konferenz Lessons Learned - Spin Offs digitaler Lehrerfahrungen ins Leben gerufen. Sie dient als Austauschforum, in dem Lehrende ihre Erfahrungen, ihre Erfolge, aber auch die Misserfolge der Versuche zur Entwicklung neuer Lehrkonzepte im digitalen Raum teilen und diskutieren können. Um die Dissemination dieser digitalen Entwicklungen weiter voranzutreiben, ist das Journal Lessons Learned entstanden, mit dem wir auf einer vollkommen freien Open Access Basis Informationen teilen und zur Diskussion anregen wollen.

In dieser ersten Ausgabe, die bewusst eine Doppelausgabe ist, sind die Beiträge der beiden ersten Lessons Learned Konferenzen im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 zusammengefasst. In der weiteren Entwicklung soll das Journal sowohl weiter die Konferenz begleiten als auch über Themenhefte spezielle Problemfelder der digitalen Lehre und ihrer Weiterentwicklung beleuchten.

Mit den ersten 240 Seiten digitaler Lehrerfahrungen soll dazu der Aufschlag gemacht werden und wir wünschen beim Studium der hier dargestellten Erfahrungen viel Freude und den Mut, selber adaptierte Formate experimentell einzusetzen und sie dann bei einer der nächsten Lessons Learned Konferenzen zu präsentieren.

 

Stefan Odenbach

Veröffentlicht: 2021-07-21

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